Fundament, Kirche und geistliche Heimat
Im Jahr 1955, zehn Jahre nach dem Ende eines verheerenden Krieges und zehn Jahre nach der Bombardierung und Zerstörung an Silvester 44/45, wurde in Bendorf der Grundstein für den Wiederaufbau der evangelischen Medarduskirche gelegt. Was zerstört war, sollte nicht dem Vergessen überlassen werden. Es wurde neu gebaut – auf dem alten Fundament. Der Chor der alten romanischen Kirche blieb erhalten, ein sichtbares Zeichen der Kontinuität. Und doch war alles anders. Der neue Bau war Ausdruck einer neuen Zeit, eines neuen Hoffens, eines neuen Anfangs.
Ein Grundstein ist mehr als ein technisches Bauelement. Er ist Symbol. Er steht für das, was trägt. Für das, was bleibt. Für das, worauf alles andere aufgebaut wird.
„Das Fundament ist gelegt:
Jesus Christus.
Niemand kann ein anderes legen.“
1. Korinther 3,11 | GNB
Diese Worte sind nicht romantisch gemeint, sondern radikal. Sie sprechen vom Vertrauen auf einen tragenden Grund, der nicht aus Menschenmacht gemacht ist. Nicht politische Stabilität, nicht wirtschaftliche Stärke, nicht äußerer Glanz – sondern Christus selbst ist das Fundament. Auf ihn setzen wir, wenn wir Kirche bauen. Und auf ihn setzen wir, wenn wir Gemeinde sind – mit all unseren Fehlern und Grenzen.
Eine Kirche als sichtbarer Ort des Glaubens
Dass unsere Gemeinde heute auf 70 Jahre Grundsteinlegung zurückblickt, ist ein Grund zur Dankbarkeit. In einer Zeit der Zerstörung wurde ein Zeichen des Vertrauens gesetzt:
Wir bauen. Wir glauben. Wir bleiben.
Unsere Kirche ist seither mehr als ein Gebäude. Sie ist Heimat geworden: ein Ort der Stille, der Hoffnung, des Gebets. Ein Ort, an dem getauft und getraut, getröstet und gesegnet wurde. Wo Kinder singen, Erwachsene zuhören und Zweifelnde mitglauben dürfen. Ein Ort, an dem Gottes Wort unter uns wohnen darf – im Klang der Orgel, in den Fenstern von Erhardt Klonk, im Licht, das durch sie hindurchfällt.
Was es bedeutet, eine Kirche zu haben
Gerade in diesen Tagen spüren wir: Ein fester Ort ist keine Selbstverständlichkeit.
- Millionen Christinnen und Christen weltweit haben keinen sicheren Ort, um ihren Glauben zu leben.
- In Kriegs- und Krisengebieten werden Kirchen zerstört oder dürfen gar nicht erst gebaut werden.
- In vielen Ländern ist Gemeinde eine Bewegung im Verborgenen, getragen von Hauskreisen, Flüstern, Mut.
Wie kostbar ist es da, dass wir unsere Kirche haben. Dass wir frei zusammenkommen dürfen. Dass wir sichtbar sein dürfen als Gemeinde Jesu. Unsere Verantwortung wächst mit diesem Geschenk.
Ein Jubiläum als Ermutigung
Das Jubiläum von 70 Jahren Grundsteinlegung ist nicht nur Rückblick, sondern auch Wegweisung:
- Was trägt uns heute?
- Was ist unser Fundament in unsicheren Zeiten?
- Was heißt es, als Gemeinde zu bauen – geistlich, gemeinschaftlich, menschlich?
Unsere Antwort darf dieselbe sein wie vor 70 Jahren: Christus ist der Grund.
Und wir danken für alle, die mitgebaut haben – mit Steinen, mit Liedern, mit offenen Händen. Für alle, die diese Kirche zu dem gemacht haben, was sie ist:
Ein Ort des Glaubens. Ein Ort für Menschen. Ein Ort, an dem Gottes Licht hindurchscheint.

Foto: CC BY @ Stiftung Sayner Hütte, Rheinisches Eisenkunstguss-Museum